Anpassungsfähig und ein echter Stadtbewohner; der Rotfuchs

Aktualisiert: 2. Mai

Wilde Tiere gibt es nur im Wald. Diesen Trugschluss liest man immer wieder. Gerade die zunehmende Urbanisierung vieler Gebiete in Mitteleuropa ermöglicht so manchem Wildtier ganz neue Möglichkeiten der Arterhaltung. Alleine in Berlin sind laut Wildtierstiftung 230 Wildtierarten angesiedelt. Einer der sich besonders in der Großstadt wohl fühlt und auch nicht erst seit Kurzem Einzug in die Städte Europas gehalten haben ist der Rotfuchs.

Fuchspärchen - Arterhalt über Monogame
Fuchspärchen - Arterhalt über Monogamie
Was ist der Fuchs eigentlich für ein Tier?

Sprechen wir vom Fuchs, meinen wir im deutschsprachigen Raum in der Regel den Rotfuchs. Er ist die einzige in Deutschland lebende Fuchsart. Andere berühmte Fuchsvertreter sind z.b. der Polarfuchs in eisigeren Gebieten oder der Wüstenfuchs, der in entsprechend wärmeren Regionen dieser Erde lebt.

"Unsere" Rotfüchse in Mitteleuropa können ein stolzes Alter von 15 Jahren erreichen und ganze sechs Kilogramm schwer werden. Biologisch gehört der Fuchs zu den Hunden, dennoch hat er im Vergleich zu seinen Verwandten verhältnismäßig kurze Beine, eine schmale Schnauze und aufrecht stehende dreieckige Ohren, die er in fast alle Richtungen drehen und somit Geräusche sehr gut lokalisieren kann. Sein Geruchssinn ist 400 mal besser als der des Menschen. Seine Augen sind an die Dämmerung und Nacht angepasst, weswegen man ihn tagsüber nur selten antrifft. Wie viele Wildtiere hat natürlich auch der Rotfuchs seine natürlichen Feinde. Diese sind in der freien Natur u.a. der Uhu, der Wolf oder der Luchs.


Der Rotfuchs, ein typisches "Waldtier"? Mitnichten...

Seit einigen Jahrzehnten ist zu beobachten, dass der Rotfuchs kein reines "Waldtier" mehr ist, sondern die Populationen gerade in Städten stark zunehmen. Die Gründe dafür sind einfach, wie naheliegend. Neben den weitestgehend fehlenden natürlichen Feinden ist es vor allem der reich gedeckte Nahrungstisch das beste Argument für Stadtfüchse. Ob Kaninchen in den Stadtparks, Ratten in der Nähe von Kanalisationen oder einfach nur einer der unzähligen Obstgärten, die sich fast in jeder europäischen Großstadt über ein gesamtes Stadtgebiet verteilen. Auch Mülltonnen bieten ein reichhaltiges, wie abwechslungsreiches Menu. Gerade bei der Versorgung des Nachwuchses, der mit Beginn des Frühlings zur Welt kommt, fällt es der weiblichen Fuchsfähe umso leichter ihren Nachwuchs ausreichend zu versorgen.

Ein weiterer Vorteil der Stadt sind die vielen vorhandenen Löcher, Nischen und Versteckmöglichkeiten auf Friedhöfen oder Stadtparks, die sich ideal anbieten, um ein ruhiges Leben zu führen. Nicht selten bilden Rotfüchse dabei sogar Wohngemeinschaften mit Dachsen oder Kaninchen. Warum sich unnötige Arbeit machen, wenn man auf vorhandene Wohnungen zurückgreifen kann. Auch ein stillgelegtes trockenes Wasserrohr reicht dem Fuchs schon aus, um sich zu schützen.

Ob ein Fuchsbau aktiv ist, lässt sich oft direkt an einem beißenden Geruch erkennen, der an Raubtiergerüche aus Zoos und Tierparks erinnert. Auch Tierknochen vor einer Höhle können Anzeichen für Leben in dem Bau sein. Wie überall in der Natur gilt es Abstand zu halten und die Tieren ihren Freiraum zu lassen.



Hat der Fuchs überhaupt Feinde?

In der "freien Natur" sind es die angesprochenen Wölfe, Luchse oder Uhus, die dem Rotfuchs gefährlich werden können. Dennoch kann sich der Rotfuchs grundlegend gefahrenlos ausbreiten und vermehren, da keines des genannten Tiere in einer solchen Anzahl vorhanden ist, um die Population nachhaltig zu beeinflussen.

Zwar leben laut WWF dank Nachzucht und Wiederansiedlung wieder über 100 Luchse und über 850 Uhupaare in Gesamtdeutschland, aber alleine in der Bundeshauptstadt Berlin schätzen Behörden den Fuchsbestand auf über 1.700 Tiere.

In den 80er und 90er Jahren war Tollwut ein riesen Problem unter den Fuchsbeständen Deutschlands, die nur durch intensive und gezielte Bejagung, sowie durch ausgelegte Impfköder in den Griff zu bekommen war. Die Bestände erholten sich glücklicherweise und die letzten nachgewiesenen Tollwutfälle gab es im Raum Berlin zum Beispiel Ender der 1990er Jahre. Tollwut kann auch für den Menschen tödlich enden, was ein Eingreifen in die Natur fast unerlässlich machte. Weltweit sterben jährlich laut RKI immer noch über 50.000 Menschen an Tollwut.

Zur Gefahr (nicht nur) für Stadtfüchse kann auch die Räude (Hautkrankheit) werden, die sich durch direkten Kontakt über Milben in dichtbesiedelten Populationsgebieten ausbreiten kann und unbehandelt tödlich für das Tier endet.

Eine weitere Gefahr ist der Staupevirus, den wir auch bei Katzen oder Hunden finden. Während Haustiere in der Regel geimpft werden, haben Wildtiere diesen Luxus natürlich nicht.



Der Fuchs zum Abschuss freigegeben, richtig oder falsch?

So süß und niedlich der Rotfuchs auch aussieht und wir den Nachwuchs am liebsten zum Knuddeln in den Arm nehmen würden, zur Realität zählt leider auch, dass die Population durch fehlende Feinde in der Natur extrem hoch ist. Eine natürliche Kontrolle des Artenbestandes findet kaum oder nicht hinreichend statt. Um die Flora und Fauna vor einer Überpopulation des Rotfuchses zu schützen, darf dieser in vielen Ländern bejagt werden. Jährlich werden so mehrere hunderttausend Füchse alleine in Deutschland geschossen, um zum Beispiel den Feldhasen oder seltene Wiesenvögel zu schützen.

Zum Vergleich: 2020 mussten über 1.2 Millionen Rehe und fast 900.000 Wildschweine geschossen werden.

Unbestritten ist das Töten von Tieren kein natürlicher Vorgang und ein Eingriff durch den Menschen in die Natur immer mit Folgen verbunden. Wollen wir jedoch auch zukünftig auf einem Planeten mit einer hohen Artenvielfalt leben, so müssen wir Fehler korrigieren, die Generationen vor uns mit der Ausrottung und Ausbeutung der heimischen Flora und Fauna begangen haben. Jagd muss artgerecht erfolgen. Das Töten aus Spaß oder Verlangen hat auch oder gerade in der Tierwelt nichts zu suchen! Aber das ist Stoff für einen anderen Artikel...

Was passiert wann im Fuchsbau?
Was passiert wann im Fuchsbau?
 

Quellen: https://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/luchs; https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2005-uhu/02775.html; https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/fuchs; https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-tiere-kommen-den-menschen-ganz-nahe-wie-gefaehrlich-sind-die-fuechse-in-berlin/26309562.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Rotfuch https://de.statista.com/; https://de.statista.com/themen/2515/jagd/; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html#:~:text=Die%20Tollwut%20ist%20in%20weiten,mit%2095%25%20der%20gemeldeten%20F%C3%A4lle., https://garten-tiere.de/fuchs-baby-alles-was-du-ueber-fuchswelpen-wissen-musst/

https://www.over-reeen.nl/Portals/0/artikelen/de_hoenders/duits/wie_und_wann_fuchse_ihre_baue_benutzen_djz1988.pdf ; https://www.presseportal.de/pm/133833/4638032#:~:text=Beide%20Fuchsgeschlechter%20seien%20den%20Wildtierforscherinnen%20und%20%2Dforschern%20zufolge%20nachweislich%20nicht%20treu.



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