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Wie präpariert man Tierknochen?

Wie viele Fotografen und Naturliebhaber erfreue ich mich bei jedem meiner Ausflüge und Wanderungen über Tiersichtungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob mir ein Fuchs, ein Eichelhäher oder ein Reh über den Weg läuft oder fliegt. Das Faszinierende ist immer eine gewisse Aufregung, was hinter dem nächsten Baum oder hinter dem nächste Hügel warten könnte.


Zum Lauf der Dinge gehört es aber auch, dass Tiere aus unterschiedlichsten Gründen sterben. Hierzu zählen zum Beispiel Autounfälle, Krankheiten und selbstverständlich auch natürliche Gründe, wie das Altern oder das "Gefressen werden" durch Raubtiere, wie z.B. Fuchs, Wolf, Waschbär und co. Zurückbleiben Knochenreste, die nicht selten eine begehrte Trophäe für Sammler darstellen.


Nach §44 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) [...] ist es verboten, Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten (Besitzverbote).

Findet ihr also Knochen (oder auch Feder) Bedarf das Aufsammeln und Aneignen einer Erlaubnis eures jeweilen Landesamtes für Umweltschutz. Dies dient allein dem Schutz der Tiere vor Wilderei, da gut erhaltene Federn und Knochen auf dem Schwarzmarkt mehrere hundert Euro einbringen können.

Im Folgenden möchte ich euch schrittweise erklären, wie sich Knochen (in diesem Fall der Unterkiefer eines Rehs) konservieren und erhalten lässt, bevor dieser durch Bakterien und andere Einflüsse zersetzt werden.

Männlicher Rehbock (Abbildung exemplarisch)
1. Vorbereitung und Hygiene

Viele tierische Krankheiten können auch auf Menschen übertragen werden. Hierzu zählt zum Beispiel die in Deutschland nicht mehr vorkommende Tollwut. Der letzte nachgewiesene Tollwutfall (außer bei Fledermäusen) stammt laut RKI aus dem Jahr 2008.

Eine Infektion mit tierischen Viren nennt man "zoonotische Infektion" oder kurz Zoonosen, zu denen zum Beispiel auch die Affenpocken zählen. Diese Krankheitserreger können auch nach dem Tod des Tieres noch infektiös sein. Bitte bedenkt bei jedem Arbeitsschritt an eine besonders gründliche Hygiene. Nutzt unbedingt Handschuhe und Desinfektionsflüssigkeit nach jedem einzelnen Schritt. Körperteile, die mit dem Kadaver und/oder Knochen in Verbindung kommen sollten besonders gründlich gereinigt werden.

2. Entfernen des Fleisches

Zu aller erst muss der Knochen von jeglichen Fetten, Muskeln und Fellen befreit werden. Hierzu bieten sich drei verschiedene Methoden an. Bei der s.g. Kaltwassermazeration wird der Knochen bei Zimmertemperatur in Wasser mit einer kleinen Menge Enzymlösung aufgeweicht. Auch wenn dies die sicherste Methode ist, Bakterien und Viren abzutöten und sämtliche organische Stoffe zu lösen, kann dies je nach Größe des Knochens Tage oder gar Wochen dauern.


Für meinen Rehknochen habe ich deshalb die Heißwassermazeration gewählt. Hierbei wird der Knochen mit heißem Wasser und einer Enzymlösung bearbeitet und ausgekocht. Wichtig dabei ist den Schädel nicht zu lange zu "kochen", um keiner Beschädigung ausgesetzt zu werden. Eine genaue Zeit lässt sich nicht pauschal festlegen. Diese hängt davon ab, wie viel Knochen bereits freigelegt ist und wie viel organische Stoffe sich noch lösen müssen.


Die wahrlich natürlichste Methode wäre den Knochen auf einen Ameisenhügel zu legen. Damit tut ihr nicht nur einem kleinen Tiervolk etwas Gutes, die Ameisen werden euren Knochen auch beschädigungsfrei zurücklassen. Stellt lediglich sicher, dass die Tiere den Knochen nicht wegtransportieren können.


Unabhängig eurer Entscheidung, lasst den Knochen ausgiebig, ggf. sogar einige Tage, trocknen. Bei beiden Mazerationen ist der Knochen einem beschleunigten Zerfallsprozesses ausgesetzt. Es empfiehlt sich den Schädel zusätzlich draußen zu reinigen.

3. Bleichen des Knochens

Nicht wenige Knochen haben durch natürliche Zersetzungsprozesse eine gewisse Einfärbung, werden gelblich und/oder braun. Das Behandeln des Knochens mit Bleichmittel soll zur Aufhellung beitragen.


Taucht den Schädel in einen passenden Behälter mit Wasser und einer konzentrierten Menge Wasserstoffperoxid. Diese bekommt ihr in jeder Apotheke. Achtet beim Kauf des Wasserstoffperoxids auf die Konzentration. Für meine Arbeiten habe ich eine dreiprozentige Lösung verwendet (siehe Bilder oben). Je höher die Konzentration, umso größer ist die Gefahr euren Knochen zu beschädigen. Benutzt auch keine Chlorbleiche, die ihr z.B. in einer Drogerie bekommen würdet. Auch hier besteht das Risiko den Knochen nachhaltig zu beschädigen.


Bereits während der Knochen in der Lösung liegt, putze ich größere Verunreinigungen zusätzlich mit einer alten Zahnbürste ab. Auch an dieser Stelle gibt es nicht die eine Zeit, die der Knochen in der Lösung eingelegt sein sollte.

Alternativ könnt ihr Wasser-Wasserstoffperoxidlösung erneut einen ganz kurzen Moment aufkochen. Wasserstoffperoxid wirkt unter Einwirken von Hitze besonders aggressiv. Ihr könnt im wahrsten Sinne dabei zusehen, wie sich euer Knochen aufhellt. Achtet jedoch unbedingt darauf, mögliche Dämpfe nicht einzuatmen.

4. Konservierung

Die eigentliche Konservierung folgt im letzten Schritt. Hierzu benötigt ihr Polyurethan. Polyurethane sind Kunstharze. Diese finden sich u.a. in Lacken. Sie dienen der Behandlung von Möbelstücken und Hölzern, um selbige vor Wind und Wetter und damit vor Fäulnis und Zersetzung zu schützen. Perfekt für die Behandlung eures Knochens. Kurz gesagt, ihr findet Polyurethan in jedem Baumarkt.

Besprühe den Schädel in mehreren Schichten. Nehmt euch auch hier die Zeit, die einzelnen Schichten gut trocknen zu lassen, bevor die nächste aufgetragen wird.

5. Dokumentation

Euer Knochen ist etwas einmaliges. Macht euch also die Mühe, euren Knochen anschließend ausführlich in Augenschein zu nehmen. Vermesst den Knochen, zählt die Zähne und schreibt alles auf, was ihr zu dem Knochen sagen könnt.

 




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